Die Pressekonferenz zum Nachhören

 

Die Powerparade findet am 21.Juni statt: Bewusstsein für Menschen mit Behinderung schaffen

09.05.2018

Am 21.Juni 2018 findet die erste „Disability Pride Parade“ in Österreich statt. Die sogenannte Powerparade wurde von Assistenz24 gemeinsam mit der ARGE-Zukunft, Menschen & Medien, sowie engagierten Einzelpersonen ins Leben gerufen und soll ein Bewusstsein für Menschen mit Behinderung schaffen. Unterstützt wird man dabei von Organisationen und Vereinen wie der Lebenshilfe, Integration Wien, Caritas & Du, dem Österreichischen Behindertenrat, dem VALID-Magazin oder dem Verein Ich bin OK. Zusammen will man in Wien ein öffentliches Zeichen für Wertschätzung und Toleranz setzen und die Einzigartigkeit jedes Menschen in den Mittelpunkt stellen. Valerie Clarke, MSM Geschäftsführung Assistenz24 gem. GmbH, zur Idee hinter der Parade:

„Wir haben gesehen, dass Paraden in den letzten Jahren immer moderner geworden sind. Es gibt die Loveparade, es gibt die Peace-Parade, es gibt die Street-Parade und wir haben gefunden, dass jetzt 2018 der richtige Zeitpunkt ist, um einmal ein großes Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt zu setzen. Wir möchten mit der Powerparade die erste Disability Pride Parade nach Wien holen, wo wir am 21. Juni alle herzlich einladen, mit uns gemeinsam durch die Straßen Wiens zu ziehen und einfach ein Zeichen für die Schönheit und Vielfalt zu setzen. Das ist eine Idee, die schon seit über 15 Jahren international gelebt wird. Wo einfach viele verschiedene Organisationen, die im Sozialbereich tätig sind, sich vorstellen, und es gibt einfach auch eine Unmenge an ganz, ganz tollen Personen. Es gibt tolle gehörlose Künstler, blinde Künstler, integrative Musikgruppen, und wir wollen einfach alle an diesem Tag vor den Vorhang holen und ihnen auch einfach die Möglichkeit geben, ihre Arbeit vorzustellen.“

Mit Frühling 2018 sind es zehn Jahre, seitdem Österreich die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. Einiges ist dabei in dieser Zeit schon umgesetzt worden, doch noch immer ist sehr vieles zu tun. Unter dem Motto „Alle für alle“ geht man somit auf die Straße und bietet ein buntes Rahmenprogramm mit Konzerten, Tanz, Workshops und Informationsständen, um ein Bewusstsein für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Denn in Österreich leben rund 1,6 Millionen Menschen zwischen 16 und 64 Jahren mit Behinderung, dazu kommen knapp eine Million chronische Erkrankte. Deshalb begrüßt auch die Lebenshilfe diese Parade, wie Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe, erklärt:

„Wir haben seit etwas über zehn Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention, die unglaublich viel bewegt hat. Da ist viel geschehen, auch in Österreich, aber es ist noch sehr viel mehr zu tun und umzusetzen. Wenn wir den nationalen Aktionsplan ansehen, da ist noch nicht mal die Hälfte aller Aktionen und Maßnahmen umgesetzt, wir haben also noch sehr viel zu tun und es ist vor allem viel gemeinsam zu tun. Das ist das Tolle an der Parade: dass viele Organisationen und viele einzelne Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Und viel heißt: In Europa zum Beispiel sind es 38 Millionen Menschen mit Behinderung oder auf österreichischer Ebene sind wir bei ca. 2,5 Millionen Menschen, die mit Behinderung oder mit dauerhaft chronischen Erkrankungen leben. Sie alle haben Fähigkeiten, sie alle haben viele Möglichkeiten – und diesen Mut, diese Freude und auch diese Herausforderungen an die Gesellschaft, die wollen wir mit der Parade auf die Straße bringen, und darüber auch helfen, Barrieren in den Köpfen und in der Gesellschaft abzubauen.“

Start der Parade wird um 11 Uhr am Rathausplatz sein, von dort geht es weiter bis zum Heldenplatz, wo von 13:00 bis 22:00 eine Schlusskundgebung mit Programm und Infoständen der teilnehmenden Organisationen stattfinden wird. Viktoria Doppler, Ability Management Caritas Pflege, gibt einen genauen Einblick:

„Um 11 Uhr wird die Parade ganz langsam losziehen, am Sozialministeriumservice vorbei weiter bis zum Heldenplatz. Wir haben ein Farbleitsystem, dass sich die verschiedenen Gruppen auch wiederfinden, also dass zum Beispiel gehörlose Menschen ihre Gebärdensprachdolmetscher und die besonders lauten Trucks mit den gehörlosen DJs finden werden. Es wird gekennzeichnet sein, wo persönliche Assistenz für blinde Menschen zu finden ist, aber auch die leiseren und ruhigen Räume für Menschen mit Wahrnehmungsverarbeitungsproblemen werden gekennzeichnet. Und erlaubt wird alles sein: Zu Fuß, per Rad, mit dem Auto, mit dem Traktor war kurz angedacht, wir selber haben auch überlegt, ein Auto zumindest mitzunehmen. Ganz besonders stolz bin ich auf meine zwei Lehrlingsgruppen, denn wir bilden Lehrlinge mit Behinderung aus und die dürfen sich zwei Monate damit beschäftigen, was wir denn überhaupt tun, und die werden mit einem Trike und einem Rollator kommen, den sie besonders nett schmücken werden, und wir bestellen gerade Goodies, die sie dann verteilen werden. Ich finde es einfach super, dass wir da so groß mitmachen können.“

Ziel ist es jedenfalls, auch die politischen Machtträger wachzurütteln und zu zeigen, dass in diesem Bereich noch viel zu tun ist. Valerie Clarke fasst zusammen:

„Erstens ist es uns wichtig, zu zeigen, dass wir nicht klein sind, wir sind keine kleine Gruppen da draußen. Jeder hat besondere Wünsche an den Alltag und es kostet nicht viel, diese Wünsche umzusetzen, man muss vielleicht nur ein bisschen für den anderen mitdenken, aber es ist nicht so, dass ich dafür einen Lottosechser brauche. Es ist einfach von jedem umzusetzen, jeder kann mithelfen, und ich denke, darum geht es auch: zu zeigen, was Barrierefreiheit ist. Viele denken bei Barrierefreiheit nur an die baulichen Veränderungen. Wir haben zum Beispiel an dem Tag ein Modell vom Heldenplatz zum Anfassen dort. Das heißt, ich kann mir den Platz vorstellen, wenn ich ein Problem damit habe, räumliche Wahrnehmung festzustellen. Wir haben einen Gebärdensprachdolmetscher, der die Musik übersetzt, wir haben Luftballons, damit ich die Vibrationen spüre. Es gibt hier also viele, viele Kleinigkeiten, die aber wirklich dabei helfen, den Tag sinnvoll zu erleben. Das wollen wir einfach mehr ins Bewusstsein rücken.“

AnsprechpartnerInnen:

Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe

Andreas Zehetner, Selbstvertreter der Lebenshilfe

Florian Dungl, Herausgeber VALID-Magazin

Klaus Priechenfried, Vereinsvorsitzender von Integration Wien

Viktoria Doppler, Ability Management Caritas Pflege

Valerie Clarke, MSM Geschäftsführung Assistenz24 gem. GmbH

Hana Zanin, Verein Ich bin OK